Fran: "Sei mutig und lass dich von deinem Herzen leiten."

Manchmal muss man zuerst einen Gemüseladen besitzen und als Musiker scheitern, um seiner Passion als Fotograf folgen zu können – Fran Villalba aus La Gomera, einer der sieben Kanarischen Inseln, weiß, wie man Veränderung gestaltet. Lasst euch von jemandem inspirieren, der mit Herz und Kopf voll bei der Sache ist.

LJ: Fran, du bist Fotograf. War das schon immer dein Beruf?

Nein, war es nicht. Ich habe zunächst Handel, Marketing und Verwaltung studiert und dreizehn Jahre lang im Familienunternehmen meines Vaters auf der Kanareninsel La Gomera gearbeitet. Danach habe ich auf der Nachbarinsel Teneriffa einen Obst- und Gemüseladen eröffnet und vier Jahre lang erfolgreich geführt – bis ich dann eines Tages entschied, mein Leben komplett zu ändern.

LJ: Wie kam es zu dieser Veränderung?

Eigentlich war es nicht nur ein Auslöser, sondern mehrere Dinge auf einmal. Ich brauchte eine persönliche Veränderung. Damals war meine Leidenschaft die Musik, und ich hatte eigentlich geplant, mich beruflich mehr der Musik widmen. Leider wurde daraus aber nichts, und einige Zeit später fiel mir eine Kamera in die Hände.

LJ: Gab es Schlüsselereignisse, die den Beginn dieser neuen Phase markierten?

Nachdem ich die Musik aufgegeben hatte, hörte ich sogar ganz auf zu spielen. Eines Tages kaufte ich meine erste Digitalkamera, und ich erinnere mich, dass ich begann, meine ersten Fotos zu machen. Man kann sagen, dass dies der Beginn des Wandels war – obwohl ich damals noch nicht daran dachte, mich professionell der Fotografie zu widmen. Einige Zeit später gewann ich den Wettbewerb "Pura Naturaleza" ("Reine Natur"), der von Solán de Cabras (einem Unternehmen für Tefelwasser) ausgeschrieben wurde. Der Preis beinhaltete die Möglichkeit, einen Master of Photography in Madrid zu machen. Als ich mich entschied, nach Madrid zu gehen, kam mir die Idee, mich der Fotografie als Beruf zu widmen, wie von selbst.

Mit der Fotografie hinterlasse ich meine Spuren in der Welt.

Fran Villalba | Fotograf

LJ: Neu anzufangen ist oft nicht einfach. Gab es eine Zeit, in der du an deiner Entscheidung gezweifelt hast?

Natürlich. Ich habe viele, viele Male an meiner Entscheidung gezweifelt. Und von Zeit zu Zeit kommen diese Zweifel immer noch, aber sie lassen sich sehr leicht zerstreuen. Sie verschwinden schnell, denn ich liebe meinen Beruf über alles, und mein Beruf ist für mich eine Lebenseinstellung. Die Fotografie ist meine Art zu leben geworden.

LJ: Du lebst jetzt wieder auf La Gomera. Wie war die Erfahrung, mit einer neuen Version von dir zurückzukehren?

Am Anfang gab es viele Ängste und Zweifel. Wegen der Covid-19-Pandemie hatte ich das Gefühl, dass in Madrid kein Platz mehr für mich war, und ich kehrte für ein paar Monate Urlaub nach La Gomera zurück, um mein Leben zu überdenken und darüber nachzudenken, was ich in Zukunft tun wollte. Ich brauchte eine Pause. Aber als ich ankam, merkte ich, dass ich mich mit der Insel versöhnt hatte. Ich traf Menschen, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ich begann die Zuneigung und Nähe dieser Menschen zu spüren und ich begann, neue Menschen kennenzulernen und die Insel auf eine Weise zu entdecken, die ich vorher nicht kannte. Sehr interessante Orte und Menschen – das war es, was mich dazu brachte, dauerhaft zu bleiben.

LJ: Was war die größte Herausforderung bei diesem neuen Abenteuer?

Ich verließ La Gomera als Musiker, und als ich zurückkam, wussten viele Leute nicht, dass ich jetzt Fotograf bin. Die größte Herausforderung bestand darin, dass die Leute mich nicht mehr als Musiker, sondern als Fotograf sahen. [Lacht] Tatsächlich fragen mich heute noch einige Leute, wann mein nächstes Konzert stattfinden wird.

LJ: Was bedeutet die Fotografie für dich?

Die Fotografie bedeutet für mich alles. Es ist eine Lebensart, und ich bin völlig verliebt in den Beruf, den ich ausübe. Das Festhalten von Momenten, Situationen und Orten ist etwas sehr Wichtiges für mich, das für immer bleiben wird. Die Fotografie hinterlässt meine Spuren in der Welt.

Wer seine Leidenschaft zum Lebensinhalt macht, kommt einem erfüllten Leben sehr nahe.

Fran Villalba | Fotograf

LJ: Du hast gerade deine erste Solo-Fotoausstellung zusammengestellt. Kann du uns etwas über das Projekt erzählen?

Tatsächlich ist "Beach Scenes" meine erste Einzelausstellung. In Madrid habe ich mehrere Kollektivausstellungen gemacht. Das Projekt ist mehr oder weniger zufällig entstanden. Mein Lieblingsort auf La Gomera ist 'El Pescante de Hermigua', ein Steinschwimmbecken im Meer, der ursprünglich zum Verschiffen von Ware genutzt wurde. Ich gehe sehr oft dort hin – selbst als ich in Madrid lebte und zum Urlaub machen kam, war es der erste Ort, den ich aufsuchte. Es ist ein Ort, der mir viel Frieden und Ruhe gibt. Eines Tages als ich zum Schwimmen dorthin ging, nahm ich meine Kamera mit. Plötzlich sah ich viele Möglichkeiten für die Fotografie und ich begann die Menschen dort zu fotografieren. Zunächst nur an diesem Ort und später an anderen Badestellen auf der Insel. Für mich ist die Verbindung des Menschen mit dem Meer sehr wichtig. Es war erstaunlich zu sehen, wie die Menschen während der Pandemie ihre Masken abnahmen und sich an den Stränden entspannten. Es ist ein rein humanistisches Werk.

Ausstellung "Beach Scenes" von Fran Villalba in der Tasca Telémacoin Hermigua, La Gomera, Kanarische Inseln, 2022

LJ: Ist den Menschen auf deinen Fotos bewusst, dass sie fotografiert werden?

Ich versuche, mich dem Ort anzupassen – auch wenn es schwer ist, am Strand mit einer Kamera unbemerkt zu bleiben. An meinem Lieblingsort, El Pescante de Hermigua, ist es vergleichsweise einfach, denn die Leute sind es gewohnt, mich mit der Kamera zu sehen. Mein Ziel ist es, natürliche Momente einzufangen, denn heutzutage neigen die Menschen dazu, viel zu posieren, wenn sie fotografiert werden; sie haben Angst, in den sozialen Medien aufzutauchen, und auf den Fotos nicht "gut auszusehen".

Ausgewählte Kunstwerke der Fotoserie "Strandszenen" von Fran Villalba, 2022

LJ: Und wie hat dich das Projekt persönlich beeinflusst?

Nun, anfangs hatte ich viele Zweifel. Die Zweifel betrafen vor allem das Geld. Kann ich mir die Kosten für die Produktion der Ausstellung leisten? Wird sich die Investition in die Verwirklichung meines Projekts lohnen? Letztendlich hatte ich, auch dank der Unterstützung meiner Partnerin Michelle, die Kraft, es zu schaffen. Aktuell ist die Fotoserie in der Tasca Telémaco, einem lokalen Restaurant platziert. Weitere Orte sind in Planung. Vielleicht werde ich auch ein Buch über das Projekt verfassen. Auf jeden Fall ist es einer der größten Erfolge meines Lebens, dass ich mich getraut habe und den Mut dazu hatte.

Die Fotografie ist eine Lebenseinstellung, und ich bin völlig verliebt in den Beruf, den ich ausübe.

Fran Villalba | Fotograf

LJ: Was ist das Besondere an "Beach Scenes" für dich persönlich?

Ich bin stolz darauf, wie ich die Energie des Ortes mit meinen Fotos festhalten konnte. Es war nicht geplant das Projekt nur auf "El Pescante" zu beschränken, aber 80% der Bilder sind dort entstanden. Es ist ein magischer Ort, an dem man das Gefühl hat, die Zeit sei stehen geblieben, und das Einzige, was sich bewegt, sind die Menschen. Seit zwei Jahren fotografiere ich auch andere Strände, und das tue ich immer noch. Obwohl ich mehrmals gesagt habe, dass ich das Projekt abschließen würde, gibt es immer wieder neue Fotos, die ich hinzufügen möchte.

LJ: Du hattest den Mut deine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Welchen Rat würdest du anderen geben, die darüber nachdenken, etwas Ähnliches zu tun?

Seid mutig und lasst euch von eurem Herzen leiten! Sie sollten mutig sein und es wenigstens versuchen; sich nicht unterkriegen lassen, wenn nicht alles auf Anhieb klappt. Ich denke, es ist eine Notwendigkeit und eine moralische Verpflichtung gegenüber sich selbst, von seiner Leidenschaft leben zu können. Wenn alle Menschen auf dieser Welt den Mut hätten, das zu tun, würden wir in einer glücklicheren Welt leben. Für mich war es das Beste, was ich je in meinem Leben getan habe. Wenn man seine Leidenschaft zu seinem Lebensstil macht, ist man einem erfüllten Leben sehr nahe.

LJ: Wie war das Gefühl, als du erkannt hast, dass du es "geschafft" hast?

Nun, ich weiß nicht, ob ich es schon geschafft habe oder nicht, aber ich bin sicher, dass ich auf dem Weg dorthin bin. Das Gefühl ist immer ein Gefühl der Dankbarkeit, gegenüber dem Leben, gegenüber Gott, oder wie auch immer du es nennen willst. Ich empfinde große Dankbarkeit, weil ich jeden Morgen aufstehe und tun kann, was ich will, und das ist wunderbar. Selbst in schwierigen Zeiten ist diese Dankbarkeit immer da.

LJ: Wie sieht es mit der Selbstständigkeit auf den Kanarischen Inseln aus? Erledigt du die ganze Verwaltungsarbeit selbst?

Selbstständig zu sein ist auf den Kanarischen Inseln und in Spanien nicht sehr schwierig, aber teuer. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gibt es hier keine individuelle Besteuerung. Das erste Jahr ist billiger, aber danach ist die Pauschalgebühr ziemlich hoch, unabhängig davon, wie viel Geld man verdient. Das Problem ist, dass sie nicht im Verhältnis zu den Gewinnen und der Art des Geschäfts steht, das man betreibt. Bei der Fotografie und der Kunst im Allgemeinen ist es noch schwieriger, da diese Berufe nicht als "wesentlich" für die Gesellschaft gelten. Ich persönlich habe viele Ausgaben, wie z. B. die ständigen Investitionen in die Fotoausrüstung und einen Steuerberater, der mich über die verschiedenen Steuern, die zu zahlen sind, und über die spezifischen Gesetze, die ich einhalten muss, informiert. Ich bin auf die Hilfe dieser Person angewiesen, da ich meine ganze Zeit darauf verwende, zu forschen, zu lernen und mich in der Fotografie weiterzuentwickeln.

Selbst in schwierigen Zeiten bin ich immer dankbar.

Fran Villalba | Fotograf

LJ: Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Ich versuche, nicht weit in die Zukunft zu blicken. Ich lebe gerne in der Gegenwart und habe immer neue Herausforderungen. Ich habe keine langfristigen Projekte, aber es gibt immer Ideen. Im Moment bleibe ich bei den Strandszenen, und vielleicht verfolge ich meine Idee, ein Buch zu machen. Aber vor allem ziehe ich es vor, nicht an die Zukunft zu denken, sondern Schritt für Schritt vorzugehen.

Über Fran Villalba

Fran lebt und arbeitet in Hermigua (La Gomera), wo er seine persönlichen Fotoprojekte umsetzt und sich um konventionellere Fotoarbeiten kümmert. Sein Talent und seine Vielseitigkeit erstrecken sich auf viele fotografische Disziplinen, wie z. B. Sozial-, Porträt-, Landschafts- und Musikfotografie. Schau dir seine Webseite an, um sich mit ihm in Verbindung zu setzen, wenn du ein Shooting buchen möchtest, seiner Arbeit besser kennenlernen oder ein Print kaufen möchtest.

www.fran-villalba.es

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Foto Copyright: Laura Jane Hoffmann, Michelle Fuertes, Fran Villalba

Laura Jane Hoffmann

Laura Jane Hoffmann

Laura Jane Hoffmann ist die Gründerin von Passion Pilot. Nachdem sie mehr als zehn Jahre als Marketing Managerin in der IT-Branche gearbeitet hat, leitet sie nun ihre eigene kreative Marketingagentur, macht Musik und arbeitet als Tanz- und Fitnesslehrerin. Passion Pilot ist ihr Herzensprojekt. Gemeinsam mit ihrem Netzwerk von Gründern und Künstlern möchte sie Menschen auf der ganzen Welt dabei unterstützen, ihre Leidenschaft durch Kreativität zu finden, die Werkzeuge zur Umsetzung ihrer Ideen zu entdecken und ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

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